Das Bild zeigt die Heidelandschaft und eine Kutsche

Heide – so weit das Auge reicht

Das bild zeigt die beiden Stuten Mary-Lou und MerleEs rumpelt und pumpelt, schunkelt und schaukelt ganz schön; Mary-Lou, eine wunderschöne Blondine, und Merle, eine nicht minder bildhübsche Brünette, haben gut zu tun, die schwere, voll besetzte Kutsche den Wilseder Berg mitten im schönen „Naturpark Lüneburger Heide“ hinaufzuziehen.

Während die beiden Stuten Schwerstarbeit leisten, erfreuen ihre Gäste sich am Ausblick: Heide und Wachholder – so weit das Auge reicht. Ein hübscher Kontrast, die grünen Bäume und die Mitte August in voller Blüte stehende lila Heide. Der reinste Urlaub für die Augen.

Die Raststätte am Wilseder Berg ist ein gastlicher Ort. Die Pferde werden ordentlich geparkt, wie Fernbusse auf dem Busbahnhof. Es gibt für die verschiedenen Anbieter feste Stellplätze und eine Haltestelle für die Pferdetaxis, die im Zwei-Stunden-Takt von Wilsede in das schnuckelige Undeloh im Herzen des Naturparks fahren, bzw. umgekehrt.

Auf Tourismus eingestellt

Das bild zeigt eine Frikadelle von der Heidschnucke mit KartoffelsalatDen Zweibeinern stehen verschiedene Möglichkeiten offen: Wandern, ein Besuch im Heide-Museum „Dat ole Huus“, oder einkehren, entweder im Schnellrestaurant „Milchhalle“ oder im Gasthaus „Zum Heidemuseum“.

Weil die Pferde schwer arbeiten, müssen die Menschen gut essen. Verwöhnt werden sie in der „Milchhalle“, einer urigen Bauernkate mit zünftigem Biergarten, mit den üblichen Speisen wie Erbsensuppe, Bratwurst mit Kartoffelsalat, Spezialitäten von der Heidschnucke und einer großen Auswahl an selbst gebackenen Kuchen, einer verlockender als der andere. Im Gasthaus „Zum Heidemuseum“ geht es kulinarisch etwas gediegener zu, aber auch hier stehen regionale Spezialitäten im Mittelpunkt.

Das wohl sicherste Transportmittel der Welt

Das Bild zeigt einen Garten in WilsedeNicht nur die Menschen, auch die Pferde bekommen gutes Futter, das diese in die Energie umsetzen, die sie brauchen, um die schweren Kutschen zu ziehen – den Berg sicher hoch und sicher wieder hinunter. Seit vor ein paar Jahren innerhalb weniger Tage zwei Unfälle mit Kutschen in der Lüneburger Heide passierten, bei denen Menschen zwar zu Schaden kamen, sich aber glücklicherweise niemand schwer verletzte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen an den Kutschen erhöht. Jede Kutsche verfügt jetzt über zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremssysteme: Eine Fuß- und eine Handbremse.

Auf dem Weg von Undeloh nach Wilsede geht es in der Hochsaison zu wie auf der Autobahn. Vorfahrt hat bei sich begegnenden Gefährten immer die Kutsche auf dem Weg hoch. Autos müssen grundsätzlich vorbeigelassen werden. Allerdings gibt es kaum Autos, denn das Naturschutzgebiet ist bis auf Ausnahmen autofrei. Zu diesen Ausnahmen gehören die Fahrzeuge des Naturparks sowie die der Anwohner und derer, die dort arbeiten. Gäste, die sich beispielsweise im Hotel „Wilseder Hof“ einmieten, bekommen eine Sondergenehmigung, die gilt jedoch nur für An- und Abreise, ansonsten muss das Auto dort auf dem Parkplatz stehen bleiben.

Das Bild zeigt mehrere kutschen auf dem WegTrotz der erwähnten beiden Unfälle und des erstaunlich hohen Verkehrsaufkommens dürften die Kutschen wohl zu den sichersten Transportmitteln der Welt gehören.

In der Saison 2020 gibt es keine Platzbeschränkungen auf den Kutschen, alle Plätze können – und werden – genutzt. Deshalb herrscht Maskenpflicht auch während der Fahrt. Alle Fahrgäste müssen ihre Kontaktsaten hinterlassen, wie wir das inzwischen von Restaurants kennen und – nach mehreren Monaten Praxis – gewohnt sind. Erfahrungsgemäß achten die Kutscher auf die Wahrung der Privatsphäre bei der Erhebung der Daten.

Neben Undeloh gibt es weitere Abfahrtsplätze für Kutschen und auch andere Ziele als der Wilseder Berg. Alle Abfahrtsplätze sind angeschlossen an den Heide-Shuttle-Bus, der u.a. vom ZOB Buchholz abfährt. Buchholz ist problemlos mit dem Zug ab Hamburg Hbf zu erreichen und liegt innerhalb des Einzugsgebiets des HVV.

Barrierefreiheit:

Mary-Lou und Merle gehören zum „Undeloher Hof“, einem der Anbieter von barrierefreien Kutschen. Eine Übersicht über die verschiedenen Anbieter, Abfahrsorte und Ziele gibt der Verein „Naturpark Lüneburger Heide e.V.“ auf seiner Webseite unter dem Stichwort „Barrierefrei im Naturpark„.

Die Kutschen verfügen entweder über eine Hebebühne wie beim LKW, die hoch- und runtergelassen werden kann, oder über eine aufklappbare Rampe. Die Bänke können zur Seite geklappt werden, der Rollstuhl wird mit Gurten befestigt, so dass unterwegs nichts passieren kann.

Das Bild zeigt das KopfsteinpflasterAn der Raststätte in Wilsede ist es weitestgehend möglich, sich barrierefrei zu bewegen, allerdings besteht der Boden größtenteils aus grobem Kopfsteinpflaster. Der Biergarten der „Milchhalle“ ist barrierefrei zugänglich, in das Lokal führen auf der einen Seite stufen, auf der anderen ist im Eingang eine Kante. Allerdings gibt es die Möglichkeit, sich an einer Außenausgabestelle bemerkbar zu machen.

Das Gasthaus „Zum Heidemuseum“ ist bis auf eine Terrasse nicht barrierefrei, verfügt aber über eine mobile Rampe. Gerade in der Hochsaison ist es ratsam, sich vorher anzukündigen – und auch einen Tisch zu bestellen. Das Museum ist nur zum Teil stufenlos, in den Gebäuden sind viele Kanten oder auch Stufen sowie Treppen zu überwinden.

Das Bild zeigt die Rampe der KutscheDer Bahnhof in Buchholz ist barrierefrei, ebenso der Weg vom Bahnhof zum ZOB, wie auch die Shuttle-Busse. Diese sind Niederflurbusse und mit einem Fahrradanhänger ausgestattet, können jedoch keine Behinderten-Fahrräder mitnehmen. Die Metronom-Züge ab Hamburg Hauptbahnhof sind mittlerweile zumindest z. T. mit einer elektrisch ausfahrbaren Rampe ausgestattet.

Toiletten:

Vor Ort gibt es zentrale, öffentlich zugängliche Toiletten, inklusive Behinderten-WC. Das Gasthaus verfügt über kein Behinderten-WC, aber das öffentliche ist schräg gegenüber.

Text und Fotos:

Birgit Gärtner