Das Bild zeigt die Verkaufstafel im Café, eine schwarze, holzgerahmte Tafel, darunter Tassen und verschiedene Teesorten

Wo die Kniffte auf den charmanten Franzosen trifft

Das bild zeigt das Café von außen und eine TrauerweideEs war einmal eine Zeit, in der die Menschen sich hierzulande vornehmlich von Brot ernährten – je nach sozialer Schicht oder Versorgungslage dicker, dünner oder gar nicht belegt. Das gute alte Butterbrot hielt sogar als „Butterbrod“ Einzug in die russische Sprache, weil die deutschen Kriegsgefangenen selbiges so sehr vermissten und unentwegt davon schwärmten. Mit 3.200 eingetragenen Sorten ist Deutschland Brot-Weltmeister, nirgendwo sonst gibt es eine solche Auswahl.

In manchen Regionen Deutschlands gibt es drei Mal am Tag ein belegtes Brot: Morgens mit leichtem oder süßem Belag, zur Kaffeezeit mit Marmelade oder Apfelmus und abends herzhaft belegt. Das nennt sich Butterbrot, Bemme, Bütterken, Kniffte, Schnitte oder Stulle. Von 1999 bis 2008 lobte die Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) sogar den „Tag des Deutschen Butterbrots“ aus, jeweils am letzten Freitag im September.

Bauernbrot lecker belegt

Das Bild zeigt einen gedeckten Tisch mit Brot, Besteck, Tasse, Saftflasche, Zucker, Salz und Pfeffer, einer blumenvase und einen Blick aus dem FEnster auf das Wasser des HafenbeckensInhaberin Christine Sauerland lässt in der „Brotzeit“ in Bergedorf die gute, alte Tradition des Butterbrots wieder aufleben.  Dort können Sie alles zusammen den ganzen Tag lang haben: „Heimatkruste“, frisches Bauernbrot, puristisch belegt mit Butter, Kirschtomaten und Kresse, oder  luxuriöser  mit Marmelade, Frischkäse, Käse, Salami, Lachs, Gurken, Tomaten und einiges mehr. Alles zünftig serviert auf einem Holzbrett.

Entstanden sind so Kreationen wie „verrückter Franzose“ mit französischem Weichkäse auf Feigen-Senf-Frischkäse mit Birne, Walnüssen und hausgemachtem Marillen-Fruchtaufstrich, der seinen Charme erst so richtig entfaltet, wenn er kurz in den Backofen geschoben wird.

Das Bild zeigt zwei schwarze Tafeln auf denen jeweils eine Suppe angeboten wirdWer es kurz und bündig mag, greift vielleicht lieber zum „Bergedorfer Mett“, Heimatkruste belegt mit frischem Schinkenmett, Zwiebeln, Schnittlauch und sonst nichts.

Für den verwöhnteren Gaumen ist möglicherweise der „Frischfang“ das Richtige: Heimatkruste mit geräuchertem Lachs auf Feigen-Senf-Fischkäse mit getrockneten Tomaten, Sesam und Kresse.

Das „Butterbrod“ heißt in der „Brotzeit“ „Veganowitsch“ und stillt den Appetit der Fans fleischloser Küche: Heimatkruste belegt mit cremiger Avocado und geschmorten Champignons auf pikantem Tomatenaufstrich mit gerösteten Pinienkernen und Kresse.

Natürlich darf auch die „Süsse Stulle“ nicht fehlen: Heimatkruste mit hausgemachtem Fruchtaufstrich und Natur-Frischkäse.

Wem das alles zu viel Brot ist, oder die reichhaltige Auswahl doch nicht reicht, für den stehen verschiedene Salatkreationen zur Auswahl oder auch zwei frisch gekochte Suppen: „Lieblings Tomatensuppen“  oder „Omas Gulaschsuppe“. Egal, für was Sie sich entscheiden, alles ist garantiert granatenlecker.

Familiäre Atmosphäre

Das Bild zeigt die Fensterplätze mit dem Blick auf die EinkaufstraßeDie phantasievollen Namen und die ungewöhnlichen Kreationen beeindrucken, ein kleines Manko ist allerdings, dass die Brot-Vielfalt, für die Deutschland berühmt ist, sich in der Bergdorfer „Brotzeit“ nicht widerspiegelt und  nur eine Sorte zur Verfügung steht. Doch was nicht ist, kann ja noch werden, schließlich hat die Betreiberin ihr kleines Bistro erst im vergangenen Jahr eröffnet. Bei der Einrichtung bewies sie gleichermaßen Geschmack und Geschick: Die Ausstattung verströmt Wärme, eine Fensterfront sorgt für Licht, die meisten Plätze sind direkt am Fenster mit Blick auf den Serrahn-Hafen oder die belebte Einkaufszone, Straßenkino inklusive. Jedes kleine Eckchen im Café wurde für einen attraktiven Eßplatz genutzt, ohne dass der kleine Raum überladen wirkt. So hat Christina Sauerland eine heimelige, familiäre Atmosphäre geschaffen, die auch durch die herzliche, lockere Art der Chefin und ihrer Mitarbeiterinnen unterstichen wird. Alles in allem ein tolles Konzept in tollem Ambiente.

Barrierefreiheit:

Das bild zeigt den Eingang des Cafés; zu sehen sind der leicht abgeflchachte Eingang und die Tür mit dem langen GriffDas Café ist eingeschränkt barrierefrei. Zwar ist es stufenlos zu betreten und auch in sich ohne Stufen, die Tische können problemlos unterfahren werden und trotz des kleinen Raumes bleibt genügend Platz z. B. zum Rangieren eines Rollstuhls, allerdings öffnet die Tür nicht automatisch, sondern muss von Hand geöffnet werden.

Toilette:

Die Toiletten sind im Keller, ein Behinderten-WC ist nicht vorhanden, allerdings befindet sich das Café in Sichtweite des City-Center Bergedorf (CCB), das über ein Behinderten-WC verfügt und dessen Türen automatisch öffnen.

Text und Fotos: Birgit Gärtner