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Hamburgs Wochenmärkte

Jahrtausende alte Tradition

Hätten sie's gewußt? Hamburg ist die Stadt mit den meisten Wochenmärkten in ganz Europa. In fast jedem Hamburger Stadtteil gibt es einen Wochenmarkt,

manchmal einmal pro Woche, manchmal mehrfach, manchmal mit einem speziellen Angebot wie z. B. ausschließlich Bio-Erzeugnisse. Zu erstehen sind Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Eier, Fisch und Fleisch, Kräuter, Blumen und Pflanzen aus der Region, aber auch internationale Spezialitäten und Produkte, die auf dem Großmarkt eingekauft wurden. Auf einigen Märkten, z. B. beim Isemarkt, laden

Kunsthandwerk-Stände zum Stöbern und Staunen, andernorts wird der gute alte Ostfriesennerz, Erzeugnisse von der Heidschnucke feilgeboten oder spezielle Produkte, z. B. für linkshändige Menschen, und der Scherenschleifer bietet seine Dienste an. Zwischendrin wird für das leibliche Wohl gesorgt. Mal ist es die gute alte Pommesbude, mal neumodischer ein Food-Truck, mal ein mobiles Café, mal ein kleiner Zelt-

Pavillon mit Spezialitäten aus der Lüneburger Heide oder Tirol. Mal müssen die Gäste sich mit Stehtischen begnügen,

mal laden Tische und Stühle zum Verweilen, Klönen und Gucken ein. Deshalb lohnt es sich unbedingt, das eigene Viertel mal zu verlassen und sich Wochenmärkte in anderen Vierteln anzuschauen.
Das Bild zeigt Mangold mit grünen, gelben und roten Stielen
Saisonales Gemüse auf jedem Wochenmarkt

Manche der Stände stehen seit Jahrzehnten jede Woche wieder an ihrem Platz, andere, z. B. die Food-Trucks, erst seit kurzem, wieder andere sind nur saisonal anzutreffen, manche allerdings kommen und gehen, weil der nächste Trend sie ablöst.

 

Seit Jahrtausenden betreiben die Menschen Handel

Einer der ältesten Märkte, es heißt sogar, es sei das älteste Einzelhandelsgeschäft, ist der überdachte Basar „Kapalı Çarşı“ (kapal = geschlossen) im Istanbuler Stadtteil Eminönü. Der „große Basar“, wie er landläufig genannt wird, ist eine Welt für sich und es gibt Rosen aus den Vierlanden, (fast) nichts, was es dort nicht gibt: Auf 31.000 m² beherbergt er rund 4.000 Geschäfte. Diese sind nach Branchen sortiert und im Zentrum Eski Bedesten (Alte Turnhalle)befindet sich das Gold- und Silberhandwerk. Trotz der Unterteilung ist der „Kapalı Çarşı“ ist ein riesiges Labyrinth.

Der ursprüngliche Teil wurde 1461 unter Sultan Mehmet II. errichtet und unter Sultan Süleyman (1520 – 66) weiter ausgebaut. Der Eski Bedesten war anfänglich als Schatzkammer geplant, früher war es fest verschlossen und beherbergte die besonders teuren Waren. Täglich geöffnet ist er einer der Touristen-Magneten

Istanbuls. Besonders fasziniert europäische Gäste die Kunst des Feilschens z. B. bei den Teppich-Händlern, das zum Verkaufsritual gehört. Doch auch die Märkte z. B. in Marokko haben eine Jahrtausend alte Tradition. Der Souk in Marrakesch ist der größte Basar in Afrika. Vor allem in ländlichen Gegenden sind sie eine wichtige Plattform für den Austausch regionaler Produkte, aber auch importierter Waren. Üblicherweise finden sie einmal wöchentlich statt, der tägliche Souk ist eher ein Großstadtphänomen.

Überall auf der Welt wurde daraus eine Kultur, die, wie das Beispiel der syrischen Stadt Aleppo zeigt, sogar in Zeiten größter Not erhalten bleibt. In anderen Ländern werden z. T. auch lebende Tiere zum Kauf angeboten und Männer lassen Schlangen zu den Klängen ihrer Flöten tanzen.

Die prächtigen Auslagen, die Warenvielfalt und die Farbenpracht der Märkte, Basare, Mercados, Souks überall auf dem Globus sind atemberaubend. Doch es gibt keinen Grund zum Neid: Auch die

Hamburger Wochenmärkte haben ihren Reiz und um den Fischmarkt beneidet uns der Rest der Republik. Gut, auf Schlangenbeschwörer müssen wir auf Hamburgs Märkten verzichten, aber ansonsten bieten sie eine unglaubliche Vielfalt. Der legendäre Altonaer Fischmarkt ist eine echte Hamburgensie und trotzdem weltbekannt. In verschiedenen Städten finden Marktschreier-Wettbewerbe statt, in Anlehnung an das Hamburger Original.

Neben den Märkten unter freiem Himmel gibt es auch überdachte, Vorbild ist u.a. der weltberühmte Mercado „San Miguel“ in Madrid. Der „Nachtmarkt“ in St. Pauli setzt wie sie auf das Zusammenspiel von schnöder Lebensmittelversorgung und Event-Gastronomie – allerdings unter freiem Himmel.

Text und Fotos (soweit nicht anders gekennzeichnet): Birgit Gärtner

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