Picknick mit Chopin

Das Bild zeigt Hirsche, die im Gras äsenBrilliant, melodramatisch, überirdisch schön: Chopins Klavierkonzerte wecken Sehnsucht nach der Zeit der Romantik. Tatsächlich, es gibt sie noch, fern von globalen Bedrohungen lebt sie im Grün der Elbvororte – im Hirschpark. Ein weißes Herrenhaus inmitten malerischer Landschaft mit uralten Bäumen: schon der Parkeingang Elbchaussee fühlt sich an wie die Landszene im Ballett „Die Kameliendame“. Die traumhafte Liebesgeschichte mit der Musik Chopins ist choreografische „Weltliteratur“ des Ballettintendanten der Hamburgischen Staatsoper, John Neumeier. Im heiteren II. Akt wirbeln dort übermütige Ballettkavaliere zum Walzer (Nr. 3, F-Dur op. 34) galant um ihre Damen. Im Hirschpark des 21. Jahrhunderts geht es im Sommer ganz ähnlich zu:

Café Witthüs: „weißes Haus“ für grüne Hochzeiten
Mit illustrem Säulenportal prägt das repräsentative Landhaus, im 18. Jahrhundert Besitz des Kaufmanns und Reeders J.C. Godeffroy, den Westen des Parks. Es hatte auch ein strohgedecktes Gästehaus, das Witthüs, heute ein Café- Restaurant. Unter schützenden Baumkronen ist das weißgetünchte Bauernhäuschen mit dem Rosengarten in 300 Jahren zum reizvollen Nostalgiefaktor gereift und insbesondere für Hochzeiten sehr beliebt. Die Wirtin hat sich den schönen Künsten verschrieben: „Für die Gäste spielen wir den ganzen Tag Klassik“. Nichts passt zu hoffnungsgrünen Festen besser als Chopins „Grande valse brilliante“ (Walzer Es-Dur op. 18 Nr. 1). Er klingt nach kichernden Blumenmädchen und Brautpaar – Tête-à-Tête auf weißen Bänken im französischen Gärten.

Barrierefrei: Prélude am Springbrunnen

Das Bild zeigt einen Springbrunnen im ParkEin grüner Torbogen mit Rosen. Üppige Rhododendronhecken verbergen ein geheimes Reich von zeitloser Schönheit: den französischen Garten. Blumenbeete gruppieren sich im geordneten Karree, in der Mitte plätschert ein Springbrunnen.

Dazu Chopins zarte Regentropfen-Prélude im iPod: schon fühlt man sich taufrisch und tiefenentspannt. In diesen gehobenen Seinszustand führt der Eingang Mühlenberg, Ecke Elbchaussse((1), Buslinie 36, Haltestelle Mühlenberg) und die Einfahrt am Café „Witthüs“, Ecke Mühlenberg ((7), Kopfsteinpflaster, 15% Steigung).

Nicht barrierefrei ist der Eingang „In de Bost“(2) (an der sehr belebten Elbchaussee mit schmalen, unebenen Gehsteigen). Für Rollstuhlfahrer sind insbesondere der gesamte südliche Blankeneser Kirchenweg und der westliche Steilhang entlang des Mühlenbergs samt nicht barrierefreien Eingängen ((3 bis 6) ungeeignet, da diese Wege größtenteils nicht durch Geländer abgesichert sind. Zudem führen steile Treppen hinab zur Elbe(I bis X)). Am Das Bild zeigt einen Frachter auf der ElbeSteilhang Mühlenberg(X) und am Blankeneser Kirchenweg(III) verjüngt sich der äußerste Weg stellenweise zu sehr abschüssigen schmalen Pfaden und der nicht barrierefreie Eingang(6) verläuft als steiler Tunnel auf die Aussichtsplattform am Elbufer zu. Die Straße „In de Bost“ fällt ab Hirschparkweg steil zum Elbufer ab(II), ähnlich der Westen des Blankeneser Kirchenwegs, der auf beiden Seiten in steile Treppen(II), (VI) mündet. In waldigen Gegenden im Südwesten und auch in der 400 Jahre alten Lindenallee ist der Boden oft uneben durch Steine, Wurzeln und einzelne Baumstümpfe oder ausgewaschene Steinrinnen(V).

Es empfiehlt sich daher eine Begleitperson für Rollstuhlfahrer. Für sie eignet sich eher der Norden des Parks für einen Sommerausflug – Café Witthüs, französischer Garten und das Landhaus, in dem heute die Lola-Rogge-Ballettschule ihre Unterrichtsräume hat. So gibt es dort bisweilen etwas Hübsches zu sehen: die Ballerinas. Ein Moment in einem schönen Park, leicht wie der „Minutenwalzer“ (op. 64 Nr. 1) des großen Klaviervirtuosen Frédéric Chopin.

Der Hirschpark: Landpartie mit Piano-Plaisir
Text und Fotos: U. Korb