Das Bild zeigt einen Mann und eine Frau

BRUCHLINIEN

von Michael Alexander Müller

28.08. Uraufführung | 29.08. | 30.08. | 03.09.| 04.09. | 09.10. | 10.10. | 11.10. | 20:00 Uhr | Schauspiel

Spiel: Melissa Anna Schmidt, Urs Fabian Winiger Text: Michael Alexander Müller Video & Animation: Mara Wild Licht: Thomas Schick Technik OFFline: Oliver Gayk, Robert Schüller Technik ONline: Ole Schmetzer, Jonas Fülscher Produktionsassistenz: Lea Cazenave-Larroche, Lotta Huber Konzept & Ausstattung: Francoise Hüsges Konzept & Regie: Johanna Hasse

 

Ist dies der richtige Ort alles zu erzählen? Es wird nie den richtigen Ort geben. Jeder Ort ist ein Ort der Unsicherheit. Gibt es eine Zeit, in der ausgesprochen werden muss, was geschehen ist? Den Zeitpunkt weißt nicht einmal du selbst. Du meinst es geschieht. Es geschieht, weil es muss, nicht, weil du es willst. Es geschieht, weil etwas nicht Erklärbares aus dir herausdrängt. Du kannst es nicht mehr aufhalten. Du kannst nicht anders. In einer Gesellschaft, in der alles frei verfügbar und abrufbar zu sein scheint, in der jederzeit alles zu erklären, zu belegen, zu beurteilen und zu rechtfertigen ist und die Transparenz immer wieder gefordert wird, findet das nicht Fassbare im Verborgenen statt.

Das Bild zeigt einen TeddyBRUCHLINIEN ist ein öffentlicher Bericht, in dem zwei wahre, aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen anonym gehaltene Fälle sexuellen Missbrauchs verhandelt werden. Da ist das Mädchen, das von ihrem Stiefvater jahrelang unter den Augen ihrer Mutter missbraucht wurde, und der Junge, der von seinem Jugendbetreuer eines Eisenbahnvereins über mehrere Jahre hinweg vergewaltigt wurde. Zwei Kinder, eingeschüchtert und gefangen in ein System aus Verrat, Manipulation, psychischem Druck und brutaler Gewalt im vertrauten Umfeld. Zwei Kinder, die das Erlebte über Jahre verdrängt und aus Angst und Schamgefühl geheim gehalten haben. Jahre später erst können sie sich ihrer Vergangenheit stellen, brechen das Schweigen und stellen Strafanzeige.

Zwei Berichterstatter*innen stellen anhand dieser Fälle von sexualisierter Gewalt gemeinsam mit den Zuschauerinnen und Zuschauern die eigene Urteilskraft auf den Prüfstand und hinterfragen: Wem schenken wir Vertrauen, wem glauben wir, wem nicht, warum nicht, warum so und nicht anders? Es geht um Urteile und um Vorurteile und nicht zuletzt um die Debatte über patriarchale Strukturen, Macht und Gewalt, über Konsens und Respekt. Ein Strudel von Fakten, Aussagen, Urteilen und Emotionen wird erzeugt, zu der eine eigene Haltung gefordert wird. Es findet ein berührendes Wechselspiel zwischen Wahrheit und Lüge, Glaube und Zweifel, Distanz und Intimität, zwischen Hinsehen und Wegsehen statt.

Das „Theater unterm Dach“ Berlin und das „monsun.theater“ Hamburg arbeiten sowohl analog als auch digital zusammen. Während analog das Publikum im Saal des „Theaters unterm Dach“ der Aufführung beiwohnt, verfolgt das Online Publikum die Vorstellungen simultan per Livestream über die gängige ZOOM Plattform und nehmen aktiv am Bühnengeschehen teil. Im Live-Chat kann sich das Online Publikum mit anderen austauschen, live mitreden und diskutieren. Moderiert wird das virtuelle Community-Viewing von Mitgliedern des Produktionsteams, die Auskunft geben über die Inszenierung und einzelne Wortbeiträge und Fragen für die Bühne freischalten, die wiederum von den Schauspielerinnen und Schauspielern im Theater aufgegriffen werden. Darüber hinaus wird das Online Publikum zu Interaktionen aufgefordert, die zurück auf die Bühne wirken und so die visuelle Gestaltung der analogen Bühnenästhetik mitbestimmen. Ziel ist es, zeitgleich eine analoge und digitale Gemeinschaft und Austauschplattform herzustellen für eine Diskussion über sexuellen Missbrauch und sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Eine Koproduktion zwischen dem „Theater unterm Dach“ Berlin und dem „monsun.theater“ Hamburg, gefördert durch die Ilse und Dr. Horst Rusch Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und dem Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur.

Informationen zur Teilnahme unter: http://www.monsuntheater.de/programm/2020/schauspiel/bruchlinien.html

Der Text wurde uns vom monsun.theater zur Verfügung gestellt. Fotos: Johanna Hasse und Pixabay.